NORDEN /FR –„Salut! Ça va?“ „Hallo! Wie geht’s?“ Bürger­meister Heiko Schmelzle zeigte am Montag bei der offiziellen Begrüßung französischer Austauschschülerinnen und Austauschschüler im Garten der Westgaster Mühle, dass durchaus etwas aus dem Fran­zösischunterricht am Norder Ulrichsgymnasium (UGN) hängen geblieben ist. Die 31 Schülerinnen und Schüler der elften Klasse des Lycée Fabert in Metz begrüßten das Nor­der Stadtoberhaupt jedenfalls überschwänglich mit einem lockeren Bonjour. Dabei blieb es denn auch, denn die jungen Leute aus der rund 120000­ Ein­wohner­ Stadt im Nordosten von Frankreich können sich gut auf Deutsch verständigen. Schließlich werden sie an ihrer Schule – übrigens eines der äl­testen Gymnasien Frankreichs – in Biologie oder Geschichte bilingual – also zweisprachig – unterrichtet. Und das dreiein­halb Unterrichtsstunden die Woche. In Geschichte ist dieses Angebot sogar ein mündliches Abiturfach.

Gegenbesuch
Die Schüler sind mit Lehre­rin Mathilde Puche und Lehrer Gérard Giotto am vergange­nem Sonnabend mit dem Bus in Norden eingetroffen. Sie übernachten bei Gasteltern der Schülerinnen und Schüler des zehnten UGN­ Jahrgangs. Dabei handelt es sich um ei­nen Gegenbesuch, die Norder waren bereits im November des vergangenen Jahres in Metz zu Gast.
Den Schüleraustausch gibt es bereits seit 1997, seit 2000 leitet Gérard Giotto –der flie­ßend Deutsch spricht–auf französischer Seite das Pro­gramm,in Norden ist es die Deutsch­ und Französisch­lehrerin Carola Nolte.Auch sie betreut seit 18 Jahren mit großem Engagement das Aus­tauschprogramm. Die Pädagogin sieht in den gegenseitigen Besuchen von deutschen und französischen Schülerinnen und Schülern auch ein wichtiges Stück Friedensarbeit.Und –natürlich schadet’s der Bil­dung auf gar keinen Fall.
Gérard Giotto ist–zumindest inoffizieller Mission–das letzte Mal mit „seinen“ Schülerinnen und Schülern nach Norden ge­kommen. Er verabschiedet sich aus dem aktiven Schuldienst und geht in Rente. „Ich bin hier quasi zu Hause“,blickt er auf 18 aufregende Jahredes Schü­leraustausch­ Programms zu­rück. Seine Nachfolgerin hat er gleich mitgebracht–Mathilde Puche.Auch sie spricht ein hervorragendes Deutsch und ist mit deutscher Lebensphilo­sophie wie Giotto bestens ver­traut. Gleich bei ihrem ersten Aufenthalt ist sie von Norden begeistert. „Es ist eine so un­glaublich grüne Stadt“, nennt sie nicht nur den Marktplatz als Beispiel. Auch die vielen Bäume in den ganz normalen Straßenhaben es ihr offenbar angetan.
Für die jungen Leute aus Metz haben die Pädagogen wieder ein abwechslungsreiches Pro­gramm auf die Beine gestellt. So ging es gestern nach Bremen ins Überseemuseum,heute steht eineTagesfahrt nach Nor­derney an. Morgen nehmen die Pennäler aus dem Nach­barland am Deutschunterricht am UGN teil; und am Freitag wird das Unternehmen Norder Bandstahl im Gewerbegebiet Leegemoor besucht.

Besuch unter Freunden
Eine Konstante des Aus­tauschprogramms darf auch in diesem Jahr nicht fehlen: die Teezeremonie. Normaler­weise treffen sich dazu die Norder Gäste im Teemuseum. Aus Platzgründen fand die Lehrstunde über ostfriesische Traditionen dieses Mal im Garten der Westgaster Mühle statt. Bürgermeister Schmelz­le übernahm diese Aufgabe gern, schließlich sei die Mühle für ihn ein Stück Heimat, be­richtete er den jungen Leuten davon, dass er in unmittelbarer Nähe zur Mühle aufgewachsen sei. Wie er weiter in lockerer Atmosphäre verriet, hat seine Familie enge verwandtschaft­liche Verbindungen zu Frank­reich. Auch Schmelzle betonte den hohen Stellenwert gegen­seitiger Besuche. „Dies ist der beste Weg, um gut miteinander auszukommen“,wünschte der Bürgermeister den jungen Gäs­ten viele Kontakte nach Nor­den.

Entnommen aus dem Ostfriesischen Kurier vom 30.05.2018, S.4.